Eisenbahnen als Begleiter der Stadtentwicklung

Zehlendorf 2013 2014 02Postkarte Wannsee/Stolpe von 1913 (Foto: BBWA)Am Charakter des Bezirks im Grünen haben auch Industrialisierung, Urbanisierung und Entwicklung der Eisenbahn nicht viel geändert: Anderswo folgten auf Bahnstrecken Gewerbe- und Industrieansiedlungen, in Zehlendorf kam es zur Entwicklung des Vorortquartiers, von Industrie kaum eine Spur.

Dabei kann der Bahnhof Zehlendorf ein markantes Ereignis für sich verbuchen: Am 22. September 1838 fuhr die erste Eisenbahn in Preußen das Teilstück der als »Stammbahn« bekannten Strecke Berlin–Potsdam nach Zehlendorf. Langsam entwickelte sich Zehlendorf zu einem Villenvorort. Je mehr sich die Innenstadt zur Metropole entwickelte, desto mehr zog es die Berliner zum Wohnen ins Grüne: Grundstücke für Häuslebauer wurden teuer, vor allem aber wurde die Siedlungserweiterung genau vorbereitet: Die Zehlendorf-West Terraingesellschaft plante ein sternförmig auf den Bahnhof Berlin-Beerenstraße ausgerichtetes Viertel: heute Mexikoplatz.

Sein 1903-1904 errichteter Bahnhof ist ein Juwel des Jugendstils. Die Heimstätten AG erwirkte 1898 den Umzug der Märkischen Lokomotivfabrik Berlin-Schlachtensee: Sie passte nicht hierher, der 1901 gebaute Bahnhof Berlin-Nikolassee und sein schon Ende der 70er gebauter Nachbar Berlin-Schlachtensee hingegen schon. Wannsee war damals noch ein echtes Dorf mit dem Dorfkern Stolpe. Der Bahnhof Wannsee war als Bahnhof Dreilinden Ausgangspunkt der »alten Wannseebahn«, vom Bankier Wilhelm Conrad 1896-74 gebaut.

Zehlendorf 2013 2014 01Mexikoplatz (Foto: KULTURpur)Sie führte vor allem durch noch unbebaute Waldflächen und galt den Berlinern als unnützes Projekt, als »Bankiersbahn« oder als »Wannsinnsbahn auf Conrädern«. Später wurde die neue Wannseebahn die Trasse für die Nahverkehrszüge, die damit nicht mehr auf den Ferngleisen fuhren musste. 1927-28 errichtete Richard Bardemann, ein Repräsentant der Industriebauten Berlins, den neuen Bahnhof. Die Menschenmassen entstiegen den Zügen allerdings erst nach 1920, als der Bezirk als Naherholungsziel so richtig populär wurde.

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Erschienen in Reinickendorf kompakt 2013/2014, Verlag BfB Bestmedia4Berlin
Text: Björn Berghausen
Illustrationen: BBWA