Facetten Tempelhofer Wirtschaftsgeschichte

Der Tempelhofer Hafen leistete einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung Berlins: In der Zeit der Luftbrücke 1948/49, in der der Flughafen Tempelhof der Star schien, war der Tempelhofer Hafen der heimliche Held, denn hier wurden viele der eingeflogenen Güter gesammelt, sortiert, verwahrt und verteilt, um das Überleben der eingeschlossenen Stadt zu sichern. Auch später wurde das große Speichergebäude von 1908 als Vorratslager genutzt, ehe es 2009 als Einkaufszentrum wiedergeboren wurde.

tempelhof10 02Doch schon als der Hafen angelegt worden war, diente er der Versorgung der Stadt – unter anderem Zucker und Tabak fanden ihren Weg von den Treidelkähnen aus dem Teltowkanal in die Stuben der Stadt. Der Name des Kanals führt auf den Ursprung des Hafens zurück: Bis 1920 gehörte Tempelhof zum Kreis Teltow, dessen Landrat Ernst von Stubenrauch mittels dieses Kanals die Wasserstraßen von Havel und Oder verbinden ließ. 1906 weihte der Kaiser den Kanal ein, 1908 war der Tempelhofer Hafen fertig gestellt – und damit wurde dieser Teil Tempelhofs nicht nur für Neubürger, sondern auch für Gewerbe und Industrie interessant. Am Ufer des Kanals unterhielt die AG für Filmfabrikation AFIFA ein Kopierwerk, das später der UFA gehörte und bis 1949 existierte. Dort wurde 1982 das erste Freilichtkino Berlins eröffnet.

Gegenüber errichtete der ursprünglich aus dem Zeitungsgeschäft kommende Ullstein-Verlag von 1925 bis 1927 das Tempelhofer Druckhaus, in dem viele der über 9.000 bei Ullstein Beschäftigten arbeiteten und das heute als Ullsteinhaus und Wahrzeichen nicht vom Tempelhofer Hafen wegzudenken ist. Zwischen der alten Filmfabrik und dem alten Druckhaus spannt sich über den Teltowkanal die Stubenrauchbrücke, benannt nach dem Landrat, dem der Hafen seine Existenz verdankt.

Doch über viele Unternehmen, auch rings um den Tempelhofer Hafen, gibt es heute keine Unterlagen mehr. Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben.

Aber auch die verstreuten Festschriften zu Jubiläen, Werkszeitungen, Produktkataloge, Fotoalben, Patente und Aktien bis hin zu den kaufmännischen Unterlagen wie Jahresabschlüssen, Bilanzen und Verträgen, sie alle können wichtige wirtschaftshistorische Details enthalten. Der Verein Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten.

Wenn Sie Hinweise auf dergleichen Unterlagen geben können, sind Sie beim Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv herzlich willkommen. Wir gehen Ihren Anregungen gerne nach.

 

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Eichborndamm 167, Haus 42,13403 Berlin
Telefon: 030 41190698,E-Mail: mail@bb-wa.de, http://www.bb-wa.de

B. Berghausen

abgedruckt in: Tempelhof kompakt 2010/11, Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH
Foto: KULTURpur

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