Eine Reinickendorfer Kuppel für das Schloss

Der Bezirk Reinickendorf ist im Laufe des 19. Jahrhunderts Ausweichort für die rasch wachsende Industrie Berlins gewesen: Die innerstädtischen Standorte von Unternehmen wie Siemens oder Borsig wanderten auf die ›grüne Wiese‹ vor die Tore der Stadt und erschlossen neue Werksgelände – die heutigen Stadtteilen ihren Namen gaben: Borsigwalde und Siemensstadt.

Reinickendorf 02Erweiterung der ReichsbankdirektionIn ihrem Fahrwasser siedelten sich mittelständische Unternehmen in Reinickendorf an, die ebenfalls erfolgreich gediehen. Noch heute arbeitet am alten Standort das Stahlbauunternehmen Hugo Achcenich GmbH & Co. KG unter seinem heutigen Firmennamen: Stabotec GmbH. Nicht mehr existiert hingegen ein Konkurrent Achcenichs, das Stahlskelett- und Eisenbauunternehmen Hermann Gossen an der Graf-Rödern-Allee. Es wurde 1881 in der Innenstadt gegründet und siedelte 1892 nach Reinickendorf über. Der Gründer war Sohn des Stettiner Schlossermeisters Friedrich Wilhelm Gossen, konnte jedoch mit einem Ingenieursstudium zum Fabrikbesitzer aufsteigen – ein klassisches Beispiel für den Aufstieg bürgerlicher Familien im 19. Jahrhundert. Das Unternehmen H. Gossen baute riesige Luftschiffhallen, die Stahlskelette für die Berliner Oper unter den Linden und die Reichsbahndirektion in Berlin. Das Meisterstück aber darf das Stahlskelett der Kuppel auf dem Schloss Charlottenburg genannt werden, die nach dem Krieg von Hans Gossen, dem Enkel, errichtet wurde. Nach dessen Tod 1972 gab es das Unternehmen nicht mehr.

Die Geschichte von Achcenich und Gossen ist im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv gesichert, wo deren Überlieferung aufbewahrt wird.

Über viele Unternehmen aber gibt es heute keine Unterlagen mehr. Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben.

Das Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. (Dokumente, Werkszeitungen,Kataloge, Fotoalben, Patente und Aktien, Jahresabschlüsse, Bilanzen und Verträge).
Bitte geben Sie Hinweise auf solche Unterlagen!

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Eichborndamm 167, Haus 42,13403 Berlin
Telefon: 030 41190698,E-Mail: mail@bb-wa.de, http://www.bb-wa.de

 

abgedruckt in: Reinickendorf kompakt 2011/2012, Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH

Fotos: BBWA

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