Als in Feuerland noch die Schlote rauchten

Mitte 2012 SchloteFabrik und Eisengießerei A. Boersig (1847, DTM)Der Berliner Bezirk Mitte steht heute für das kulturelle Zentrum Berlins und beherbergt eine Großzahl der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nur wenig erinnert heute an die zahlreichen Fabriken, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts das Stadtbild rund um die Chausseestraße prägten.

Mit der Errichtung der Königlichen Eisengießerei im Jahre 1804 in der Invalidenstraße 44–46 begann die Blütezeit der Frühindustrialisierung in Berlin. Das im Volksmund so genannte „Feuerland" beherbergte seither namhafte Maschinenbauunternehmen sowie private Eisengießereien bekannter Industrieller. Die Firma Borsig setzte ab ihrer Gründung 1837 in der Chausseestraße 1 den Maßstab für die industrielle Produktion in Preußen. Zu diesem Kreis von erfolgreichen Unternehmen gehörte auch die „Maschinen-Fabrik Schwartzkopff und Nitsche", die 1852 durch den Unternehmer Louis Schwartzkopff gegründet wurde, der zuvor bei Borsig seine Lehre absolvierte hatte. Im Jahre 1870 wurde die Firma in die Berliner Maschinenbau Aktiengesellschaft umgewandelt.

Der Standort verlor seine Bedeutung mit Ausgang des 19. Jahrhunderts. Die Kapazitäten des Industriegebiets waren bereits ausgereizt und eine Ausdehnung der Fabrikanlagen kaum möglich. Zudem hatte die Ernennung Berlins zur Reichshauptstadt 1871 einen rasanten Anstieg der Bodenpreise in der „City" zur Folge, was viele Unternehmer dazu veranlasste, ihre Fertigungsanlagen außerhalb der Stadtgrenzen anzusiedeln. 1887 verließ Borsig seinen Standort an der Chausseestraße. Auch die Berliner Maschinenbau AG errichtete ihr zweites Werk abseits von Feuerland in Wildau, blieb aber dem traditionellen Industrieumfeld bis zur Zerstörung der Fabriken während des II. Weltkriegs treu.

201110162 Mitte 250U-Bahnhof Schwartzkopffstraße (BBWA)Heute erzählen Straßennamen, wie die im Jahre 1889 umbenannte Schwartzkopffstraße, die Borsigstraße oder die Pflugstraße, von den einst qualmenden Schornsteinen entlang der Chausseestraße.

Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv sichert jegliches Überlieferungsgut der Wirtschaft mit deren Hilfe eine Rekonstruktion und Erforschung der verschiedenen Branchen stattfinden kann. Wenn Sie Hinweise auf solche Unterlagen besitzen, dann sind Ihre Anregungen willkommen.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Eichborndamm 167, Haus 42,
13403 Berlin
Telefon: 030 41190698
E-Mail: mail@bb-wa.de
http://www.bb-wa.de

Abgedruckt in: Mitte kompakt 2012, Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH
Text: Sonja Schmidt
Bilder: BBWA (U-Bahnhof Schwartzkopffstraße, Deutsches Technikmuseum Berlin (Borsigs Fabrik 1847)

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