Ein Dorf wird zum Fabrikstandort

Pankow 2011-12 01Schlossgarten Schönhausen (Photo: KULTURpur)Pankow war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dorf nördlich von Berlin. Die Pankower Kirche – erbaut um 1230 – und Ackerbürgerhäuser prägten das Bild der Siedlung. Im 17. Jahrhundert bauten die Hohenzollern das Schloss Schönhausen. Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Pankow viele Windmühlen. Im Ortsteil Buchholz siedelten sich Hugenotten an. Im 19. Jahrhundert wurde Pankow zu einem der beliebtesten Ausflugsziele. Gartenlokale und Sommerresidenzen wohlhabender Berliner entstanden. Außerdem gab es zahlreiche private Nervenkliniken. Bei der von Prof. Dr. Eduard Mendel geführten Klinik, in der Breiten Straße 18, hospitierte der junge Wiener Arzt Siegmund Freud. Im Gebäude der Abteilung für schwer kranke Herren befindet sich jetzt ein Kinder- und Jugendclub.

1874 wurde eine Mälzerei der Schultheiss-Brauerei eingeweiht, deren Gebäude heute als Wohnungen genutzt werden. Die Thermosflasche wurde 1903 von Reinhold Burger, einem Pankower Glasinstrumentenbauer, erfunden. 1906 eröffnete Josef Garbáty Rosenthal seine Zigarettenfabrik direkt am S-Bahnhof Pankow. Garbáty produzierte die „Königin von Saba“ und „Kurmark“. Die Fabrikanlagen in der Berliner Straße und der Hadlichstraße stehen bis heute. 1931 hatte der Betrieb ca. 1500 Beschäftigte. Nach 1933 wurde das Unternehmen als „jüdischer Betrieb“ von den Nationalsozialisten boykottiert und 1938 „arisiert“, Josef Garbáty starb 1939 in seinem Haus in Berlin-Pankow.

Pankow 2011-12 02Pankower Stadtbibliothek (Photo: KULTURpur)Nach Kriegsende wurden in den Fabrikgebäuden weiterhin Zigaretten produziert. 1960 wurden die VEB Garbáty und Josetti zur Berliner Zigarettenfabrik zusammengelegt. Bis 1995 lief die Produktion, u.a. der beliebten Marke „Club“. Die gute Eisenbahnanbindung von Pankow-Wilhelmsruh bewog den Weddinger Unternehmer Sigmund Bergmann 1906 sein Werk hier anzusiedeln. Die Bergmann-Elektrizitäts-Werke AG stellte ab 1908 Teile für Lokomotiven und Straßenbahnen her. Später folgten die Herstellung von Dampfturbinen und Benzinmotoren. In den 1930er Jahren konzentrierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Kabeln. In den Kriegsjahren wurde dort für die Rüstung produziert. Nach 1945 wurde der Betrieb enteignet, als VEB Bergmann-Borsig weitergeführt und nach 1990 von der ABB gekauft.


Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e. V.
Eichborndamm 167, Haus 42 · 13403 Berlin
Telefon: 030/411 90 698 · E-Mail: mail@bb-wa.de · www.bb-wa.de
Text: Beate Schreiber

 

abgedruckt in: Pankow kompakt 2011/12 im Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH
Photo: KULTUR pur

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