Steglitzer Wirtschaftsgeschichte

tefagLogo der Telephonfabrik AG vorm. J. Berliner (TEFAG) (BBWA S7/132)Als Berlin sich im Zuge der Industrialisierung und der Gründerjahre ausdehnte, wurden auch die Vororte an den Verkehr angeschlossen und entwickelten suich rasch. Steglitz war vor allem durch Villenkolonien und Wohngegenden geprägt. In Gewerbehöfen und gewerblichen Inseln entstanden gleichwohl auch Produktionsstätten, 1985 arbeiten 5 % aller in der Industrie beschäftigten in (West-)Berliner in Steglitz. Vorherrschend waren immer kleinere und mittlere Betriebe, vor allem in den Gebieten an der Kaiser-Wilhelm-Straße, der Siemensstraße und der Goerzallee.

1927 zog die Telephonfabrik AG vorm. J. Berliner (TEFAG), die 1898 in Hannover gegründet worden war, nach Steglitz und stellte hier Telephone, aber auch Lautsprecher her. Das Unternehmen hatte im Zuge des Ersten Weltkrieges großen Erfolg gehabt, bekam aber nun die erdrückende Übermacht von Siemens & Halske in der Fernmeldeindustrie heftig zu spüren. TEFAG engagierte sich in einem von der Reichspost gegründeten Kartell zusammen mit C. Lorenz, der Kabelindustrie AG und anderen, um auf dem Geräte- und Fernkabelmarkt zu bestehen. Ironischerweise war der Firmensitz in der Siemensstraße. 1958 erwarb die Standard Elektrik Lorenz AG die TEFAG, 1998 ging diese an Alcatel SEL.

Steglitz 2012-2013 Feugas  02Anzeigen der Feugas-Schutzgesellschaft mbHNicht nur Erste-Hilfe-Kästen und Gasmasken wurden bei der Feugas-Schutzgesellschaft mbH in der Albrechtstraße hergestellt, sondern auch Unterrichtsmaterialien für den Schutz am Arbeitsplatz und sogar für Maßnahmen bei Lebensmittelvergiftungen. Im Dritten Reich konstruierte das Unternehmen Luftschutzräume und gab Leitfäden zum Luftschutz bei Bombenangriffen heraus. Es hatte aber auch Schutzkleidung im Angebot, die bei der Gebäudereinigung notwendig war, wo hochgiftige Chemikalien zur Beseitigung von unerwünschten Wandsprüchen (damals »Schmierereien«, heute »Graffiti«) eingesetzt wurden.

Trotz ihrer Bedeutung existieren kaum Unterlagen über viele ehemals bedeutende Unternehmen. Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut oder gänzlich vernichtet. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Bitte geben Sie uns Hinweise auf solche Unterlagen (Festschriften, Werkszeitungen, Fotos, Patente, Jahresabschlüsse, Bilanzen oder Verträge).

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Eichborndamm 167, Haus 42, 13403 Berlin
Tel.: 030 411 90 698, E-Mail: mail@bb-wa.de, www.bb-wa.de

Erschienen in: Steglitz kompakt 2012/2013, Verlag BfB Bestmedia for Berlin GmbH

Bilder: BBWA

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