Zaunkönige und tollpatschige Brauer - Wirtschaftsgeschichte in Tempelhof

Tempelhof 2012-2013 02Anzeige der Fa. Lerm & Ludewig (BBWA S 9/50)Tempelhof wurde 1247 erstmals urkundlich erwähnt und existierte mit den Dörfern Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade als Landgemeinde. Die Industrialisierung begann hier nach 1871, nachdem die Ringbahn die Gemeinde angeschlossen hatte. Die Stahlbahnwerke Freudenstein gehörten zu den ersten Fabrikbetreibern im Gewerbegebiet an der Ringbahnstraße. Die Nummer 16/18/20 ist der einzige Gewerbehof in Tempelhof - ein viergeschossiger, rot verklinkerter Fabrikbau um einen Gewerbehof, der 1899 von der Union Baugesellschaft a.A. für die Werkzeugfabrik Fritz André errichtet wurde. 1905 zogen hier die »Zaunkönige« ein: die Eisen- und Drahtverarbeitungsfabrik Carl Lerm & Gebrüder Ludewig. Seit 1846 hatten Carl Lerm sowie Hugo und Max Ludewig zusammen Drahtzäune, Drahtgeflechte und Gitter aller Art gefertigt und 1880 ihr Unternehmen gegründet, das auch nach dem Krieg in Berlin marktbeherrschend gewesen ist. Heute, nach dem Konkurs in den 80er Jahren, existiert noch die Fassadenwerbung, die man von der Stadtautobahn sehen kann, wenn man am Flugfeld Tempelhof vorbeifährt.

Neben zahlreichen bekannten Unternehmen des Stahl- und Maschinenbaus sowie Straßen- und Tiefbaus siedelten sich nicht nur an der Ringbahnstraße, sondern auch an weiteren Industriekernen an der Großbeerenstraße in Mariendorf und in Marienfelde östlich des S-Bahnhofs sowie am Tempelhofer Hafen.

Tempelhof 2012-2013 03Warnung der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft (BBWA S 9/141)Eine wichtige Berliner Branche war die Herstellung von Bier in zahlreichen Brauereien. Die Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft ermahnte die Brauer und Mälzer, Unfälle zu vermeiden. Drei Viertel aller Unfälle bei der Bierproduktion waren menschliches Fehlverhalten, etwa Nichtbenutzung von Gasmasken und Schutzbrillen, nur ein Viertel ging auf das Konto neuer technischer Einrichtungen und Maschinen. Zahlreiche Dokumente geben Auskunft über die Arbeitswirklichkeit seit mehr als hundert Jahren.

Doch Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut oder gänzlich vernichtet. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Bitte geben Sie uns Hinweise auf solche Unterlagen (Festschriften, Werkszeitungen, Fotos, Patente, Jahresabschlüsse, Bilanzen oder Verträge).

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Eichborndamm 167, Haus 42, 13403 Berlin
Tel.: 030 411 90 698, E-Mail: mail@bb-wa.de, www.bb-wa.de

Gekürzt abgedruckt in: Tempelhof kompakt 2012/2013, Verlag BfB Bestmedia4Berlin

Text: B. Berghausen

 

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