Pankows Wirtschaft

Das Flüsschen, dem der Bezirk seinen Namen verdankt, fließt vom Barnim kommend durch den Niederschönhauser Schlosspark Richtung Wedding durch den Bürgerpark. Hier befand sich laut Urkunden bereits 1542 eine Mühle. An deren Stelle trat 1735 eine Papiermühle. Die Stadt Berlin erwarb auf dem Terrain des späteren Bezirks Ländereien zur Anlage von Rieselfeldern nach Planungen Hobrechts, die die Berliner Abwässer aufnehmen sollten. Diese Aufgabe erfüllten sie bis zum Bau des Klärwerkes Berlin-Nord. Auf dem 1898 gekauften Gelände des Gutsbezirks Buch baute die Stadt Berlin nach Plänen Ludwig Hoffmanns ein Klinikum. Verkehrsmäßig erschlossen die 1842/43 erbaute Berlin-Stettiner Bahn und die Nordbahn den Bezirk. Pferdebahnen fuhren ursprünglich bis zum S-Bahnhof Pankow, später die Elektrische bis zum Betriebsbahnhof Schillerstr. in Nordend. An den Bahnhof Pankow schlossen sich ein Güter- und ein Rangierbahnhof an (Lokschuppen steht noch). An die U-Bahn war der Bezirk seit 1930 angeschlossen.

etaBriefkopf der "ETA" Chemisch-Technische Fabrik (BBWA S7/383)Unternehmen siedelten seit 1874 in der Mühlenstraße, seit der Jahrhundertwende in der Hadlichstraße an. In Wilhelmsruh fanden die Bergmann-Elekrizitätswerke Platz für ihre wachsende Produktion. In der Gaststätte "Feldschlößchen" (Berliner Str.27) führte Max Skladanowsky 1895 seine ersten Filme mit dem Bioscop-Projektor vor. In Nordende zwischen Buchholzer- und Blankenburger Str. entstand nach 1945 ein weiteres Industrie-Areal mit zahlreichen Betriebsteilen von VEBs und Kombinaten: Kesselbau, Möbel, Industrieroboter. Im Umkreis des S-Bahnhofs Pankow siedelten sich weitere Branchen an: VEB Niles, VEB Elektrokeramik, VEB Industriebürsten. Die im Bezirk dennoch überwiegenden Landwirtschaftsflächen wurden von den GPGs "Blühende Zukunft", "Kleeblatt" und "Berliner Norden" gärtnerisch genutzt. Die VEG Tierproduktion und die Schweinemästerei in Blankenfelde deckten den Fleischbedarf der "Hauptstadt". 20 % der Milch auf dem Weißenseer Milchhof stammten aus Pankow. Die Berliner Innenstadt erhielt einen Zubringer zum entstehenden Autobahnring durch die Anschlussstelle Heinersdorf.

Den bei Abriss- und Freimachungsarbeiten in der Innenstadt anfallende Bauschutt nahm eine Deponie im nördlichsten Zipfel des Bezirksgeländes auf. Bei der Behebung des permanenten Wohnungsmangels setzte die Planung auf die Errichtung ganzer Neubaubezirke auf der grünen Wiese an östlichen Stadtrand. Pankows Struktur mit Einzelbauweise und Dorfkernen in ursprünglicher landschaftlicher Umgebung blieb dadurch erhalten.

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abgedruckt in: Pankow kompakt 2012/2013, Verlag BfB Bestmedia4Berlin
Text: K. Dettmer