Die Zeit der Volkseigenen Betriebe

fhain12-13NARVA-Hochhaus (Foto: BBWA)Friedrichshain bekam den 2. Weltkrieg deutlich zu spüren. Sowohl durch Luftangriffe der Alliierten als auch durch den Häuserkampf in der „Schlacht um Berlin" wurden große Teile des Bezirks zerstört. Von diesen Zerstörungen war die Industrie stark betroffen, weshalb große Investitionen nötig waren, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

So besaß das größte ansässige Unternehmen, das Werk D des Osram-Konzerns, nun VEB Glühlampenwerk „Rosa Luxemburg", nur noch zehn Prozent seines ursprünglichen Maschinenparks. Doch bereits 1947 lief die 100.000te Glühlampe vom Band. Nachdem ab 1963 der Produktname „NARVA" (Nitrogenium + Argon + Vakuum) verwendet wurde, entstand 1969 das gleichnamige Großkombinat. Fast 6000 Menschen arbeiteten im Werk, das mit der Wende in die Gesellschaft für lichttechnische Erzeugnisse mbH umgewandelt wurde. Auf dem Foto ist das NARVA-Hochhaus (errichtet von der Gasglühlicht AG, heute genutzt von BASF) zu sehen, welches mittlerweile zu den technischen Denkmalen zählt.
Die Engelhardt-Brauerei, zu DDR-Zeiten unter dem Namen „VEB Engelhardt" bekannt, war lange Zeit die produktionsstärkste Brauerei Ost-Berlins und war vor allem für ihr Malzbier und das erste alkoholfreie Bier bekannt. Bis heute erinnert der „Flaschenturm" auf der Halbinsel Stralau an die ehemalige Brauerei.

Die ehemalige Knorr-Bremse AG fiel nach dem Ende des Krieges ebenfalls in den Sowjetischen Sektor und wurde nach der Enteignung der Erben in den Status einer Sowjetischen Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis zur Einstellung der Produktion diente diese ausschließlich Reparationszwecken. Nach der Stilllegung des Standortes zog der neugegründete „VEB Messelektronik Berlin" in die Gebäude und produzierte dort mit rund 2000 Mitarbeitern.

Friedrichshain 2012-13 02Briefkopf der Deutschen Gasglühlicht AG (Auergesellschaft)Nachdem bei einem Luftangriff kurz vor Kriegsende 1945 rund 70 Prozent des Glaswerkes auf Stralau zerstört worden waren, begannen bereits im Mai desselben Jahres die Wiederaufbauarbeiten. Schon wenige Monate später liefen wieder Bier-, Selters- und Champagnerflaschen vom Band. Der „VEB Glaswerk Stralau" wurde dann in den fünfziger Jahren wieder vollständig aufgebaut und 1968 noch einmal modernisiert und standardisiert. Die Produktion verschiedenster Flaschen und Gläser lief auch noch über die Wendezeit hinaus weiter.

Friedrichshain war in dieser Zeit geprägt von Mittel- und Kleinbetrieben, zu denen unter anderem Möbelbetriebe, Gummiwerke und auch kleinere Werften zählten. Bis zur Wende blieben die meisten dieser Betriebe erhalten und noch heute zeugen deren ehemalige Gebäude von ihrer Existenz. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv sammelt Material zur Wirtschaftsgeschichte im Bezirk und ist für Hinweise auf Unterlagen dankbar.

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