Wirtschaftsgeschichte Kreuzbergs

kreuzberg 02Als 1920 aus der Tempelhofer Vorstadt, der Oberen Friedrichsvorstadt, der südlichen Friedrichstadt und einem Teil der Luisenstadt ein neuer Bezirk im neuen Groß-Berlin gegründet wurde, trug er zunächst den Namen ›Hallesches Tor‹. Erst später wurde daraus Kreuzberg, benannt nach dem ehemaligen ›Tempelhofer Berg‹, auf dem das Denkmal in Form eines Eisernen Kreuzes 1821 errichtet worden war, um an die Befreiungskriege gegen Napoleon zu erinnern.

In der anschließend beginnenden Industrialisierung war Kreuzberg einer der Hauptschauplätze des wirtschaftlichen Aufschwungs und wurde bei rasanter gewerblicher Verdichtung als Massenquartier Auffangbecken der Zuwanderung. An den Ufern des Landwehrgrabens siedelte sich vor allem Textilindustrie an: Bis 1840 gab es Kattunfabriken, Bleichen und Färbereien – als bekannteste die Dannebergersche Wollenzeugdruckerei von 1812. Sieben Jahre später wurde die Metall- und Apparatefabrik C. Heckmann in der Luisenstadt gegründet, die erst in den 30er Jahren in der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG aufging. 1824 entstand an der alten Akzisemauer die ›Anstalt für Gasbereitung‹, von der aus die neue Berliner Straßenbeleuchtung mit Gas versorgt wurde.

1852 wurde der Grundstein für das heute größte Unternehmen des Bezirks gelegt: Als königlich preußische Staatsdruckerei gegründet, war die heutige Bundesdruckerei von 1879 bis 1949 Reichsdruckerei. Die DeTeWe (für ›Deutsche Telephonwerke‹) wurde 1887 unter dem Firmennamen »R. Stock, Telegraphenapparate« gegründet und brachte 1896 das erste ›Telephon-Verbindungs-Amt‹ der Welt heraus. Es wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts europaweit 129 Fernsprechämter aus Kreuzberger Fertigung gebaut eingerichtet.
Über viele Unternehmen, gibt es heute allerdings keine Unterlagen mehr. Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben.

Das Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. (Dokumente, Werkszeitungen, Produktkataloge, Fotoalben, Patente und Aktien, Jahresabschlüsse, Bilanzen und Verträgen).

Wenn Sie Hinweise auf dergleichen Unterlagen geben können, sind Sie beim Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv herzlich willkommen.

Info:

Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Eichborndamm 167, Haus 42,
13403 Berlin
Telefon: 030 41190698, E-Mail: mail@bb-wa.de, http://www.bb-wa.de
B. Berghausen

abgedruckt in: Kreuzberg kompakt 2010/11, Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH
Foto: KULTURpur

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