Wirtschaftsgeschichte Prenzlauer Berg

prenzlauerberg 02Aus der ländlichen Vorgeschichte der Felder und Äcker des vor allem landwirtschaftlich genutzten Areals des heutigen Bezirks – bis in das 18. Jahrhundert gab es hier sogar nennenswerten Weinbau – hob der Hobrecht-Plan den damaligen Vorort von Berlin: Rasant entwickelten sich Bevölkerung und Bebauung entlang der Verkehrsadern Schönhauser Allee, Prenzlauer Allee und Greifwalder Straße. Das gute Wasser aus den Brunnen am Prenzlauer Berg – hier standen deshalb auch vergleichsweise viele Wassertürme – ermunterte viele Bauern, mit dem Brauen von Bier zu beginnen – und seit Mitte des 18. Jahrhunderst wurde der Bezirk der bedeutendste Brauereistandort der Stadt. 1853 etwa erwarb Jobst Schultheiß die Brauerei eines Vorgängers, gab dem Bier seinen Namen und begründet eine Berliner Traditionsmarke. Andere berühmte Brauereien des Prenzlauer Bergs waren die von Joseph Pfeffer 1841 gegründete Pfeffer-Brauerei, die Bötzow-Brauerei (gegr. 1864), die Berliner Weißbierbrauerei AG (gegr. 1873, ab 1937 Landré-Breithaupt) und die Malzbierbrauerei Christoph Groterjan & Co GmbH (gegr. 1894). Der älteste Bikergraten Berlins hat hier immer noch seinen Platz: 1837 eröffnete der Prater seinen betrieb.

Zwischen 1878 und 1881 ließ der Berliner Magistrat östlich der Landsberger Allee den Central-Vieh- und Schlachthof mit eigenem Bahnanschluss errichten. Gemäß dem Preußischen Schlachtzwanggesetz musste der städtische Schlachthof zum Stadtgebiet gehören, weshalb die Gemarkung eingemeindet wurde. Zunächst Teil des Bezirks Friedrichshain war der Zentralschlachthof 1920 zum Prenzlauer Berg gekommen und viele Jahrzehnte lang eine der modernsten europäischen Anlagen. Nach dem Krieg wurde der Betrieb als VEB Fleischkombinat Berlin weitergeführt und erst 1991 eingestellt.

Daneben war der Bezirk stets durch Kleingewerbe und Handwerk geprägt – und  ist es bis heute. Mit den Filmaufnahmen der Brüder Skladanowsky im Eckhaus Schönhauser Allee/Kastanienallee 1892 beginnt sozusagen der deutsche Film. Im Oktober 1856 gründete Gustav Langenscheidt in der Schönhauser Allee seinen Verlag. 1928 wurde das Kaufhaus Jonaß eröffnet (später Sitz der Reichsjugendführung und des Zentralkomitees der DDR, zuletzt Archiv). 1930 beginnt die Geschichte von Konnopkes Imbiß mit einem Bauchladen.

Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Unterlagen über Produkte, Technologien, Anlagen und Arbeitskräfte sind vielförmig. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben. Aber auch die verstreuten Festschriften zu Jubiläen, Werkszeitungen, Produktkataloge, Fotoalben, Patente und Aktien bis hin zu den  kaufmännischen Unterlagen wie Jahresabschlüsse, Bilanzen, Geschäftsbücher und Verträgen – sie alle können wichtige wirtschaftshistorische Details enthalten.

Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv e.V hat sich zur Aufgabe gemacht, Unterlagen zur Berliner Industrie- und Wirtschaftsgeschichte zu sichern und zu erhalten. Es gewährleistet die Grundlage einer regional orientierten historischen Öffentlichkeitsarbeit. Es sind die Dokumente der Unternehmen, die in der Vergangenheit die Geschichte unseres Wirtschaftsstandortes geschaffen und ihm damit zu Charakter, Zugkraft und Profil verholfen haben.

Wenn Sie Hinweise auf dergleichen Unterlagen geben können, sind Sie beim Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv herzlich willkommen. Wir gehen Ihren Anregungen gerne nach.

Info:

Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Eichborndamm 167, Haus 42
13403 Berlin

abgedruckt in: Prenzlauer Berg kompakt 2010/11, Verlag BfB Bestmedia4Berlin GmbH
Foto: KULTURpur

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