Reinickendorf als Ziel der industriellen Randwanderung 

Notgeldschein mit bild von ReinickendorfNotgeldschein "Tegeler Mühle"Die Wirtschaftsgeschichte Reinickendorfs ist mit dem Begriff der industriellen Randwanderung verbunden: Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung an Fahrt aufnahm, wurden die frühen Industriegebiete innerhalb der alten Stadtgrenze von 1861 rasch zu klein.

Auch wollten die Berliner den Lärm und die Schornsteine nicht in ihrer Nähe haben. Darum zogen namhafte Industrielle an den Berliner Standrand, auf die „Grüne Wiese“. Den Anfang machte in Reinickendorf der Industriepionier Franz Anton Egells, der 1838 am Tegeler See einen Eisenhammer aufbaute.

Bis dahin waren die Dörfer Reinickendorf, Hermsdorf, Lübars, Dalldorf (Wittenau) und Tegel vor allem Lieferanten von Milch und Blumen gewesen. Einige Mühlen waren die Vorboten der wirtschaftlichen Entwicklung – etwa die seit 1848 mit Dampf betriebene Tegeler Mühle.


Preiswerter Boden, der Bau der Nordbahn 1877, vorhandene Verkehrswege und die Nähe zur Havel lockten weitere Unternehmer: 1898 nahm das neue Werk von A. Borsig seine Produktion auf, bis zum Weltkrieg folgten die Deutschen Asbest-Werke, die Stahlunternehmen Carl Schoening, H. Gossen und Hugo Achcehnich sowie die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik am heutigen Eichborndamm.

Zahlreiche Zulieferbetriebe ergänzten die Entwicklung, mit Borsigwalde entstand eine Arbeitersiedlung. 1907 erweiterte der Tegeler Hafen das Infrastrukturangebot für die Industrieunternehmen, im selben Jahr folgte die Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde sowie 1913 der Hohenzollernkanal. Mit der Bildung Groß-Berlins 1920 kamen die Industriegebiete Reinickendorfs wieder in das Berliner Stadtgebiet, das 1925 mit dem Verwaltungsbau des Borsigturms sein erstes Hochhaus erhielt.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Eichborndamm 167, Haus 42, 13403 Berlin
Tel.: 030 411 90 698, E-Mail: mail@bb-wa.de, www.bb-wa.de
Erschienen in Reinickendorf kompakt 2013/2014, Verlag BfB Bestmedia4Berlin
Text: Björn Berghausen
Illustrationen: BBWA