Fischer und Schiffer im Herzen Berlins

Mitte_2013-2014a.jpgFischerbrücke, aus: Illustrierte Berliner Wochenschrift „Der Bär“ von 1886Der Bezirk Mitte umfasst den historischen Kern Berlins, unter anderem die Stadtteile Cölln und Alt-Berlin, Dorotheen-, Friedrich- und Luisenstadt, Stralauer, Spandauer und Rosenthaler Vorstadt. Die Wirtschaft entwickelte sich im alten Berlin wie in allen deutschen Städten vor allem im Handwerk und Gewerbe, später in von der preußischen Krone angeschobenen Manufakturprojekten. Mit der Industrialisierung änderte sich die Lage rasch: Freie Flächen unmittelbar vor dem alten Siedlungsgebiet wurden für Fabrikanlagen und Fertigungsstätten genutzt. Doch selbst diese Gewerbegebiete liegen meist noch innerhalb des Bezirks Mitte – etwa das „Feuerland“ vor dem Oranienburger Tor, heute die Gegend um die Chausseestraße.

Innerhalb des alten Berlins griff die industrielle Entwicklung ebenfalls stark ein, indem Wanderbewegungen von Gewerbe, Handwerk, Geschäften und Bewohnern das Gesicht einzelner Quartiere deutlich veränderte. Nicht zuletzt auch die Bedürfnisse der kaiserlichen Residenz machten sich bemerkbar. Dennoch existierten bis ins 20. Jahrhundert das Schloss des Kaisers und die Gewerke in unmittelbarer Nachbarschaft. Im südöstlichen Cölln etwa saßen die Fischer- und Schifferfamilien und betrieben den Fischmarkt. Mit der Errichtung der Fischerbrücke 1683 wurden die Fischmärkte von Berlin und Cölln verbunden, wuchsen aber erst zusammen, als 1699 die Erlaubnis für feste Buden und Stände erteilt wurde. Mit der Regulierung der Spree kamen andere Handwerker hinzu, die das Viertel veränderten. Mit der Industrialisierung gerieten die alten Gewerke auf der Fischerinselin in die Bedeutungslosigkeit. An der Fischerbrücke lag – so Friedrich Nicolai in seiner „Beschreibung Berlins von 1786 – die „Insel, ein großes Manufakturhaus, in welchem die Gebrüder Wegeli leichte wollene Zeuge machen lassen.“ Zuvor hatte es auf der Insel eine Bleiche gegeben, ab 1687 ein Manufakturspinnhaus, ab 1725 die Wegelische Fabrik, im 19. Jahrhundert Speichergebäude. Nebenan verband die Inselbrücke Cölln mit dem Neu-Köllner Ufer. Die Bebauung der Fischerinsel wurde im Krieg schwer beschädigt, musste dann aber vor allem der Ost-Berliner Stadtplanung weichen, die bis 1973 den Fischerkiez vollständig abriss und durch sechs 21-stöckige Plattenbauten ersetzte.

Mitte 2013 2014bStadtansicht Berlins um 1500 (vorne die Fischerininsel), aus: Illustrierte Berliner Wochenschrift „Der Bär“ von 1886“ Krisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten (Dokumente, Werkszeitungen, Produktkataloge, Fotoalben, Patente und Aktien, Jahresabschlüsse, Bilanzen und Verträgen). Bitte geben Sie Hinweise auf dergleichen Unterlagen.

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Text: Björn Berghausen

Zuerst abgedruckt in Mitte kompakt 2013/2014 im Verlag BfB Bestmedia4Berlin