Industrialisierung am Prenzlauer Berg

Prenzlauer Berg 2013 2014 02„Der städtische Central- Schlacht- und Viehhof, aus: Illustrierte Berliner Wochenschrift „Der Bär“ von 1886“ Im 18. Jahrhundert bedeckten den heutigen Bezirk Prenzlauer Berg Felder und Wiesen, dazwischen standen Windmühlen in unmittelbarer Nähe Berlins. Mit der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Wohnraum: Berlins Einwohnerzahl explodierte förmlich ab 1850. Die Leute strömten aus der Provinz nach Berlin, erst recht nach der Reichsgründung, um hier Arbeit und ihr Glück zu finden . Für die Neu-Berliner entstand nach dem ersten Bauboom um 1870 mit eher großen Wohnungen schnell Wohnraum – wenn auch ab 1890 eng, muffig und dunkel. Der Hobrecht-Plan legte 1862 die Stadtstruktur fest: Prenzlauer und Schönhauser Allee sowie Greifswalder Straße gliederten die neu entstehenden Wohnblöcke, die so schnell wuchsen, dass bisweilen Massenquartiere mit mehreren finsteren Hinterhöfen an Felder grenzten. Um 1900 übersprang die Bebauung die Danziger Straße. Je intensiver gebaut wurde, desto standardisierter war die Bauweise: Hinter einem fünfgeschossigen Vorderhaus, das Ladengeschäfte aufwies, teilten sich die Seiten- und Quergebäude den Hinterhof mit dem Nachbargrundstück, um die gesetzliche Mindestfläche für Innenhöfe zu gewährleisten. In der Bauweise immer gleichartiger, waren Stuckarbeiten und Ornamentik der Fassaden gestalterische Unterscheidungsmerkmale.

1878 war das Gebiet vor dem Prenzlauer Tor noch so weit vom Zentrum der Stadt entfernt, dass man hier den großen Centralschlacht- und Viehhof plante.Europas modernste Anlage, die bis 1881 nach den Plänen des Stadtbaurates Hermann Blankenstein errichtet wurde, besaß einen eigenen Bahnanschluss und ,als einer der größten Arbeitgeber im Prenzlauer Berg, war es zudem ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Wegen des 1868 erlassenen Gesetzes über die „Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlachthäuser“ musste der Schlachthof zum Stadtgebiet gehören, weshalb die vorherige Feldgemark eingemeindet wurde und 1920 mit der Bildung Groß-Berlins und der Verwaltungsbezirke nach Prenzlauer Berg kam. Geschlachtet wurde hier bis 1991. Daneben kennzeichnete die industrielle Struktur des vor allem durch Wohnhäuser geprägten Bezirks Kleinbetriebe der Lebensmittelbranche und der Elektro- und Metallindustrie.

Prenzlauer Berg 2013 2014 01„Schönhauser Allee vom Prenzlauer Berg gesehen (1865)“, BBWAKrisen, Kriege und Besitzerwechsel haben das Schriftgut der Wirtschaft zerstreut, wenn nicht sogar vernichtet. Selten ist das komplette Archiv eines Unternehmens erhalten geblieben. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. (Dokumente, Werkszeitungen, Produktkataloge, Fotoalben, Patente und Aktien, Jahresabschlüsse, Bilanzen und Verträgen). Bitte geben Sie Hinweise auf dergleichen Unterlagen.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Eichborndamm 167, Haus 42, 13403 Berlin
Tel.: 030 411 90 698, E-Mail: mail@bb-wa.de, www.bb-wa.de

Gekürzt erschienen in: Prenzlauer Berg kompakt 2013/2014

Text: B. Berghausen