Zwischen Schiene und Kunstgalerie - Ravené

Mitte 2015 02Louis August Ravené (1866-1944)Auf dem Friedhof der französisch-reformierten Gemeinde in der Chausseestr. 127 steht ein prächtiges Mausoleum des Peter Louis Ravené (1793-1861) aus schwarzem Syenit Stein von Assuan) entworfen von Friedrich August Stüler mit Bildhauerarbeiten von Gustav Bläser, getragen von Säulen, die im Eisenhüttenwerk Lauchhammer gegossen wurden. Eisen ist der Stoff, aus dem die Ravenés ihr Schicksal geschmiedet haben. 1685 wegen ihres Glaubens aus Frankreich vertrieben, im entvölkerten Brandenburg willkommen geheißen, verstandes sie es, sich in wenigen Generationen zu einer Patrizierfamilie hochzuarbeiten. Der Enkel des Einwanderers, Jacob, heiratete die Tochter von Albrecht Butzer und führte dessen Eisenhandlung (1722 gegründet) unter eigenem Namen fort. Neben dem Handel mit Artikeln des täglichen Bedarfs wie Nägel, Nadeln und Werkzeugen, verlegte sich die Firma auf den Fach- und Großhandel und stieg zum „Krupp“ des Ostens auf. Den Erbauer der ersten Lokomotive zwischen Berlin und Potsdam kennt fast jeder- kaum einer den Schienenlieferanten: Ravené.

Die Ravené als Mäzen

1850 gründete Peter Louis in seinen Geschäftsräumen eine Gemäldegalerie, eine der drei bedeutendsten von Berlin neben Wagner und Raczynski. 1861 übernahm Ludwig Friedrich Jacob (1823-1879) die Geschäfte. Er sammelte weiter, er gründete mit Hermann Ende und Ernst Lewald eine Fayencefabrik, er engagierte sich im Kunstgewerbemuseum und legte zum eigenen Vergnügen ein Treibhaus an. Seine Scheidung von Therese geb. Kusserow soll Vorlage für die Figur der Melanie van Straaten in Fontanes Roman „L’Adultera“ gewesen sein. Bereits 1881 erhielten die Ravenés in der Wallstraße 93 einen Telefonanschluß. Die beim Neubau des Hauses Wallstraße 5-8 eingemauerte Grundsteinkassette wurde bei Abrissarbeiten 1982 wiedergefunden (jetzt im Märk. Museum). Menzels „Fr. II auf Reisen“ aus R’s Galerie landete auf dem Weg in Hitlers Linzer Sammlung in München und blieb dort. Louis und Peter kamen bei Bombenangriffen 1945 ums Leben. Die Firma existiert noch heute am Standort Tempelhof.

Über viele Facetten der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gibt es heute keine Unterlagen mehr. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Hinweise hierzu sind herzlich willkommen.

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Text: Prof. Dr. K. Dettmer
Quellen: Konrad Beck: Die Ravenés, in: Mitt.d.V.f.d.G.Berlins , H.3/1985, S. 310-312.
Franz Hermann Meißner; Die Galerie Ravené in Berlin, in : Westermanns Monatshefte Nr.58/1913-1914.