"Brot für Berlin" - Auf den Spuren der Schlüterbrotfabrik

Tempelhof Schlueterbrot 01Die Schlüterbrotfabrik in der Eresburgstraße (BBWA)Schlüterbrot – Voll Korn voll Kraft – uns Nerven, Blut und Knochen schafft. Wohlschmeckend, leicht verdaulich, billig, die kluge Hausfrau spricht „Das will ich“
Nicht jedes Brot darf sich Schlüterbrot nennen, sondern nur solches, dessen Mehl nach einem Verfahren hergestellt wird, das 1890 von Theodor Schlüter entwickelt wurde: Kleie wird unter Druck mit Wasserdampf behandelt, um deren vorhandenen Nährstoffe besser zugänglich zu machen. Dabei wird Stärke zu Dextrinen abgebaut, die bei der Trocknung karamellisieren und das Schlütermehl dunkelbraun einfärben.

Am 29. September 1913 gründete besagter Theodor Schlüter zusammen mit dem Ingenieur Konrad Schütt sowie dem Landwirt Werner Schütt in Berlin die Schlüterbrotfabrik GmbH zum Vertrieb von Brot und anderen Nahrungsmitteln. Das Geschäftslokal befand sich zunächst in Moabit. Geschäftsführer wurde der Kaufmann Paul Mancke, der dann zehn Jahre später als Gesellschafter in das Unternehmen einstieg.

Zwischen 1927-1928 entstand an der Grenze zwischen Tempelhof und Schöneberg in der Eresburgstr. 25-26 die neue Schlüterbrotfabrik. Die Entwürfe zu den heute unter Denkmalschutz stehenden rotvioletten Klinkerbauten lieferte der Berliner Architekten Bruno Buch.

Der Firmengründer Theodor Schlüter starb 1930. In der Nachkriegszeit übernahm die Schlüterbrotfabrik eine wesentliche Rolle bei der Brotversorgung Berlins. Sie war eine der größten in Berlin und konnte trotz massiver Kriegsschäden nach nur 5-wöchiger Aufräumphase als erste wieder in Betrieb genommen werden. In einem 3-Schicht-System arbeiteten dort rund um die Uhr ca. 400 Männer und 33 Frauen. In großen Mammutöfen wurden täglich 60.000 Brote aus 60 Tonnen Mehl gebacken.

Ein kurzzeitiger Rückgang des Brotumsatzes Anfang der 50er Jahre führte 1952 zu einer
Interessengemeinschaft mit der 1945 gegründeten Bärenbrot GmbH. Um beide Betriebe und deren Belegschaften zu retten, legte man die Produktionen zusammen und gründete 1954 die Schlüterbrotfabrik GmbH und Bärenbrotfabrik GmbH KG. Im selben Jahr starb der Firmengründer Konrad Schütt.

In den nächsten Jahren wurden mehrere Millionen DM in die Vergrößerung und Modernisierung der Fabrik aufgewendet, die sich schnell zur größten und modernsten Brotfabrik in Deutschland mit ca. 400 Mitarbeitern entwickelt. Alle Erzeugnisse wurden aus chemisch nicht behandelten und ungebleichten Mehlen hergestellt. Das Sortiment bestand aus 3 Sorten Konsumbrot und ca. 20 Sorten verschiedener Spezialbrote.

Am 04.09.1958 wird der Kaufmann Hansjürgen Ollrogge aus Berlin zum neuen Geschäftsführer der Bärenbrot GmbH bestellt. Zehn Jahre später übernimmt er auch die Anteile des inzwischen verstorbenen Paul Mancke an der Schlüterbrot GmbH.

Im November 1972 wird die Bärenbrot GmbH aufgelöst und das Unternehmen in „Schlüterbrot und Bärenbrot GmbH“ umbenannt. Die nächsten Jahrzehnte sind geprägt durch zahlreiche Umfirmierungen, Gründungen von Verwaltungs-, Betriebs- und Beteiligungsgesellschaften und ständigem Wechsel in der Geschäftsführung.

Durch den Verlust eine Großkunden musste das Unternehmen 1993 Insolvenz anmelden, und das, obwohl es zu dieser Zeit mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von 80 Millionen DM erwirtschaftet. Zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern übernimmt daraufhin Dagmar Stehr das Unternehmen und führt es als Schlüterbrot GmbH Berlin unter Beteiligung des französischen Saatgut-Konzerns Limagrain noch fast 10 Jahre weiter. Am 30.06.2002 schließt das Traditionsunternehmen endgültig seine Tore.

Text: J. Kunze