Die Zehlendorfer Niederlage

Zehlendorf 2018 2Niederlage der Schultheiss-Patzenhofer BrauereiZehlendorf existierte bereits 573 Jahre, als es 1872 selbständige Landgemeinde wurde. 1920 kam es als Bezirk in das neugebildete Groß-Berlin. An Erholungsuchenden und Menschen reich, die gern im Grünen wohnen, war Zehlendorf kein Ort größerer wirtschaftlicher oder gar industrieller Unternehmungen. Als einer der ersten Gewerbebetriebe gilt das 1907-08 errichtete Auslieferungslager der 1897 in Spandau gegründeten Actien-Brauereigesellschaft Friedrichshöhe in der Königstraße, Ecke Anhaltinerstraße. Die Brauerei ging 1938 in der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG auf.

Das Auslieferungslager – oder in der Sprache der Zeit: die „Niederlage“ – ähnelt der Anlage eines Renaissancehofes mit langgestrecktem Pferdestall. Die unbebaute Grundstückstiefe ließ den Kutschen mit Gespannen ausreichend Raum zum Rangieren. Heute noch stehen die Eis- und Lagerhalle auf der Grundstücksecke, das Wohnhaus in der Ahaltinerstraße 36 sowie Stallungen und Verwaltung, wie Architekt Ernst Sembritzki sie geplant hatte. Ausgeführt wurden die Arbeiten vom Zehlendorfer Bau- und Maurermeister Felix Liebert, der seit 1901 sein Bauunternehmen in der Hauptstraße 48 (heute Clayallee) unterhielt und als „Büro für Architektur und Bauausführungen“ firmierte.

Zehlendorf 2018 1Werkhof Zehlendorf (Foto: BBWA/BB)Seit 1986 nutzt das Ausbildungswerk Zehlendorf, heute WerkHof Zehlendorf, die Gebäude, die jahrelang leer gestanden hatten, und betreibt hier Werkstätten und eine Hofküche.

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Text: B. Berghausen