Stein um Stein am Engelbecken

Kreuzberg 2016 bSteinhof von Kessel & RöhlDer Luisenstädtische Kanal verband ab 1852 den Landwehrkanal mit der Spree in einem abgeknickten Verlauf: Wie ein geschwollenes Knie wurde an der Michaelkirche das Engelbecken angelegt, das sowohl als Markt auf dem Wasser wie auch als Flanierpromenade fungieren sollte. Der Kanal sorgte für ein Aufblühen des Gewerbes. 1862 gründete Gustav Adolf Kessel eine Marmorwarenfabrik am Kanal, denn sein schweres Material ließ sich am besten auf dem Wasserwege transportieren. Vier Jahre später tat er sich mir Hermann Röhl zusammen.

Am Bauboom der rasch wachsenden Hauptstadt konnten Kessel & Röhl teilhaben und schafften 1869 schwere Maschinen an, die sie auf ihrem Werkplatz am Engelbecken, Elisabethufer 53, einsetzten. Der Werkstoff – vor allem Granit, Marmor und Kalkstein – kam aus Schweden und Norwegen. Das Unternehmen steuerte die Säulen am Post-Museum bei, den Sockel der Kriegs-Akademie Unter den Linden und Teile der Oberbaumbrücke. Das Unternehmen stand in seiner Selbstbeschreibung für „monumentale Arbeiten aus schwedischem Granit“.


Kreuzberg 2016 BBWA KR Engelbecken 20140125 05Engelbecken (Foto: BBWA/BB)Grabsteine und ganze Erbbegräbnisse standen im weitläufigen Lager vom Kessel & Röhl. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das Geschäft in Turbulenzen, Werkstatt und Lager zogen vor dem Ersten Weltkrieg in die Linkstraße um, doch in der Inflationszeit schloss Kessel & Röhl seine Pforten – Denkmäler, Erbbegräbnisse und Grabsteine hingegen überdauern womöglich die Zeiten. Am alten Kanal, seit 1926 zugeschüttet nur mehr ein Park, steht bis heute das 1903/4 errichtete Wohnhaus mit vier Gewerbehöfen, die heute als Engelbeckenhof unter Denkmalschutz stehen. Über viele Facetten der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gibt es heute keine Unterlagen mehr. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Hinweise hierzu sind herzlich willkommen.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
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Text: Björn Berghausen