Lichtenbergs Unternehmen zwischen Aufbruch und Zwangsarbeit

Lichtenberg 2018 2Bahnhof LichtenbergLichtenberg mit seinem guten Eisenbahnanschluss bot für das explosionsartig wachsende Berlin Ende des 19. Jahrhunderts Raum für Industrieansiedlungen rings um Herzbergstraße und Rittergutstraße. Großbetriebe wie Siemens & Halskes Fabrik für Alkohol-Messapparaturen, die Norddeutsche Kugellagerfabrik, die Margarinewerke Berolina. die Löwen-Brauerei AG und die Deutschen Niles-Werke gehörten dazu. Anfang des 20. Jahrhunderts fanden sich hier auch viele kleine Industriebetriebe wie etwa die Deutsche Haferfutterbrot-Fabrik, Haack & Manteuffel Hölzer und Furniere, Brucheisen-Fabrik Cohn & Borchardt.

In der Herzbergstraße 140 saß die Muth-Schmidt GmbH Maschinenfabrik für Gurtförderer und Transportanlagen GmbH. Deren Spazialität war der Bau von sogenannten Robens-Gurtförderern, bei denen ein endlos umlaufendes breites Gummiband über zwei Walzen läuft, auf deren Oberseite Material stoßsicher und geräuschlos transportiert werden kann, wie man es von Gepäckförderbändern am Flughafen kennt. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Unternehmen bankrott und wurde von der schlesischen Gesellschaft zur Konstruktion und Fertigung von Förderanlagen mbH erworben. Diese benötigt die Motoren aus Berlin für Berg- und Seilbahnen sowie Seilschwebebahnen nach den Plänen Ernst Heckels, des Erfinders der Großkabinenumlaufseilbahnen.

Lichtenberg 2018 3Löwen-Brauerei AG 1913 (BBWA)Im Zweiten Weltkrieg wurden den auf Rüstung umgestellten produzierenden Betriebe Fremd- und Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zugeteilt, die in mehr als dreißig dezentralen Lagern fabriknah untergebracht wurden. In der Bornitzstraße wohnten die 325 russischen Arbeiter der Deutschen Kabelwerke AG, im Hohenschönhauser Weg und in der Möllendorffstzraße lagen Lager mit 790 bzw. 680 Fremdarbeitern der Knorr-Bremse AG. In der Roederstraße waren fünf Lager für die Luftfahrt-Apparatebau GmbH, Knorr-Bremse AG, die Bewag und weitere Unternehmen.

Über viele Facetten der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte gibt es heute keine Unterlagen mehr. Das Wirtschaftsarchiv hat die Aufgabe, Unterlagen zur Berliner Wirtschaft zu sichern und für die Nachwelt zu erhalten. Hinweise hierzu sind herzlich willkommen.

Info:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
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Text: Björn Berghausen