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Forschungsarchiv Flick – Service für Nutzer

Einen einzigartigen Service für wirtschafts- und zeithistorische Forschungen bietet das Wirtschaftsarchiv in Berlin. Das Forschungsarchiv Flick vereint Unterlagen, die aus weltweit über 60 Archiven stammen und macht Dokumente des Unternehmers Friedrich Flick und seines Konzerns an einem einzigen Ort zugänglich: im BBWA.

Das Wirtschaftsarchiv erhielt vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena das Forschungsarchiv Flick. Es ist aus dem Forschungsprojekt „Flick im 20. Jahrhundert“ hervorgegangen, das von Dagmar Ottmann, einer Enkelin von Friedrich Flick, ermöglicht und von Prof. Dr. Norbert Frei mit einem Team von Mitarbeitern bearbeitet wurde. Der Jenaer Historiker stellte diese einzigartige Sammlung zur Wirtschafts- und Zeitgeschichte dem BBWA zur Verfügung, weil Berlin bis 1945 Sitz der Flick-Konzernzentrale war, und um es für Nutzer des Wirtschaftsarchivs zugänglich zu machen. Das Archiv bildete die Grundlage für das im vergangenen Jahr erschienene Buch Norbert Frei/Ralf Ahrens/Jörg Osterloh/Tim Schanetzky: Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht und die zweiteilige Fernsehdokumentation Flick, die von arte und der ARD ausgestrahlt worden ist.

Der „Mythos Flick“

Friedrich Flick (1883–1972) verkörpert das Drama der deutschen Geschichte im 20. Jahr­hundert. Die Karriere des ebenso genialen wie skrupellosen Unternehmers war immer „tief verwoben mit der großen Politik“ (Frei) – während des Ersten Weltkrieges, in der Weimarer Republik, in den Jahren des Nationalsozialismus und auch in der Bundesrepublik. Spätestens mit der Verurteilung im Nürnberger Flick-Prozess entstand ein unheilvoller Mythos. Schon früh galt Flick etwa der DDR-Propaganda als wichtigster „Exponent eines verhassten Kapitalismus“ (Frei). In der Bundesrepublik noch in den sechziger Jahren als genialer Unternehmer verehrt, kehrte sich das Bild von Flick dort endgültig ins Negative, als in den achtziger Jahren die Details des Parteispendenskandals die Öffentlichkeit erregten.

Ereignisse ...

In den Unterlagen des Flick-Archivs spiegeln sich fast alle zentralen Ereignisse und Entwicklungen von wirtschaftspolitischer Bedeutung. Es umfasst die Zeit von 1916 bis 2005 und reicht damit bis in die jüngste Vergangenheit, als über die Friedrich-Christian Flick Collection und die Entschädigung von Zwangsarbeitern debattiert wurde. Stichworte genügen, um das thematische Spektrum der Dokumente zu ermessen: Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, „Polonisierung“ Ostoberschlesiens, Freundeskreis des Reichsführers SS Heinrich Himmler, Rüstungsgespräche, Rohstoffersatzwirtschaft, „Arisierung“, Zwangsarbeit, Nürnberger Prozess, Entflechtung der Schwerindustrie, Daimler-Verkauf, Spendenskandal.

... und Personen

Die Namen, die in den Akten auftauchen, lesen sich wie ein Who-is-Who deutscher Unternehmer und Politiker. Von Konrad Adenauer über Eberhard von Brauchitsch, Odilo Burkart, Ernst Buskühl, Thomas Dehler, Hermann Dietrich, Hermann Göring, Otto Andreas Friedrich, Konrad Kaletsch, Wilhelm Keppler, Rudolf Münemann, Paul Pleiger, Wolfgang Pohle, Familie Quandt, Hermann Röchling, Walter Scheel, Hanns Martin Schleyer, Willy Schlieker, Paul Silverberg, Otto Steinbrinck, Franz Josef Strauß, Robert Tillmanns bis Albert Vögler.

Das Archiv umfasst ca. 100 laufende Meter, darunter

Originalakten und Kopien aus der Registratur der Maxhütte im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg, Unterlagen von Privatpersonen aus dem Unternehmen Flick sowie der Familie, darunter private Fotoalben aus der Flick KG nach 1945 aus dem Nachlass einer Sekretärin;
Fremdarchivalien aus über 60 Archiven in Kopien bzw. mit Standortverweisen der Originalquellen;
die Benjamin B. Ferencz Collection zu den Nürnberger Prozessen, Wiedergutmachungsverhandlungen und Zwangsarbeiterklagen mit Mikrofiches der Originale aus dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington/D.C.;
Unterlagen des Industriefinanzierers Rudolf Münemann;
Rollfilme der Dokumente und Protokolle des Nürnberger Flick-Prozesses sowie Verfilmungen der ursprünglich von den USA beschlagnahmten Akten.
Von besonderem dokumentarischem Wert ist das Nürnberger Fotoalbum, von dem es insgesamt nur drei Exemplare gibt. Es wurde von Odilo Burkart, dem Chef der Maxhütte, angelegt und dokumentiert den Flick-Prozess aus Sicht der Angeklagten. Die kurzen Kommentare zu jedem Foto verdeutlichen, dass sich Flick und seine Mitarbeiter als Opfer der Siegerjustiz verstanden und sich zum Beispiel für den Zwangsarbeitereinsatz nicht verantwortlich oder schuldig fühlten. Das Fotoalbum war eine wichtige Quelle für die Flick-Fernsehdokumentation.

Forschungsprojekt Flick am Jenaer Zeitgeschichte-Lehrstuhl
Flick. Der Konzern - Die Familie - Die Macht
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