Berliner Licht

So manches Licht ging auf beim 16. Industriekulturabend, den das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv am Martinstag im Ludwig-Erhard-Haus mit über 100 Gästen veranstaltete. „Berliner Licht“ titelte Dr. Günther Luxbacher von der TU Berlin seinen Vortrag über die Geschichte der Osram GmbH, die 1919 durch Fusion von Siemens, AEG und der Deutsche Auergesellschaft entstanden war und in der ein unvergleichliches elektrotechnisches Know-how vereinigt wurde. Berlin, schon längst als „Elektropolis“ weltweit führender Standort der Elektroindustrie, war eine Stadt der Lichter.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in den USA und in Deutschland fast gleichzeitig die wichtigste Basis-Innovation der modernen Lichttechnik gelungen: Die deutlich leistungsstärkere Metalldraht-Glühlampe löste die alte Kohlefaden-Glühlampe ab. In der Straßenbeleuchtung und Lichtwerbung verdrängte sie die bisher einzige Starklicht-Quelle der Bogenlampe. Mit der Leuchtstofflampe und anderen Technologien folgten weitere neue kostengünstige Lichtquellen: Die moderne Stadtnacht wurde taghell. Die „Goldenen Zwanziger“ Jahre erstrahlten im künstlichen Licht der Osram-Innovationen. Etwa 200.000 Menschen arbeiteten damals in der Berliner Elektroindustrie – an zweiter Stelle in Deutschland lag Stuttgart und brachte es auf nicht einmal 10.000 Beschäftigte.

Luxbacher führte das Publikum sicher durch die Technikgeschichte Osrams, das durch Forschung und Entwicklung, Maschinisierung der Produktion, durch Rationalisierung und neuzeitliche Methoden der Unternehmensführung bald zum bedeutendsten lichttechnischen Unternehmen Europas aufgestiegen war. Wo Licht ist, ist auch Schatten: Die NS-Verstrickung des Unternehmens wird sichtbar in Speer'schen „Lichtdomen“. Die Geschichte von Osram und Narva, dem volkseigenen Betrieb in der DDR, verfolgte Luxbacher bis ins LED-Zeitalter

Lichtfestivals und erleuchtete Stadt

Lichtfestivals anderer Art war der zweite Vortrag des Abends gewidmet: Helmut Bien, „luminale“-Kurator in Frankfurt/M., spannte einen Bogen von der Lichtreklame zur künstlerischen Fassadenbeleuchtung, von der Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt, die der Gründer des Deutschen Museums Oskar von Miller organisiert hatte, zu Lichtfesten der Moderne, allen voran die Fête des Lumières in Lyon und die Luminale ein Frankfurt. Eindrucksvoll zeigte er, wie Lichtkunst als Massenmedium des Urbanen das Antlitz der nächtlichen Stadt und ihrer Gebäude verändern, umdeuten und neuinterpretieren kann. Lichtinstallationen verwandeln das Bekannte in Kunstwelten, Welten der Kunst. So gelang es, auch „Unorte“ wie Kraftwerke, Baubrachen oder das dunkle Band des Mains durch Licht in die lebendige Stadt zu integrieren.

Die Berliner Spektakel „Festival of Lights“ und „Berlin leuchtet“ konzentrierten sich an den bekannten Plätzen, weshalb Bien forderte, zum 100. Jubiläum der Schaffung von Groß-Berlin 2020 mit breitem Ansatz auch andere Facetten der Stadt aus dem Schatten zu holen. Berlins reiches Erbe der Industriekultur, innovative Konzepte und die Beteiligung der Berliner und der Berlinbesucher könnten die Rolle als „Elektropolis“ aufnehmen und weiterentwickeln – der Park am Gleisdreieck könnte zum „Lustgarten des 21. Jahrhunderts“ werden.

Björn Berghausen/Dirk Pinnow

 

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